Mindoro

Der Flug von Taipeh nach Manila war relativ unspektakulär und nach 2.5 Stunden kamen wir bei 35 Grad an. Diese Hitze waren wir gar nicht mehr gewohnt. Da unser Hotel vom Flughafen aus zu sehen war, versuchten wir die 300 m zu Fuß zurückzulegen. Aber leider, wie wir nach zehn Minuten in brütender Hitze laufend feststellten, gab es für uns keine ersichtliche Möglichkeit, die sechsspurige Straße zu überqueren. Also liefen wir wieder zurück und suchten nach einem Taxi. Nachdem wir von mehreren Taxifahrern darauf hingewiesen wurden, dass wir doch auch laufen könnten und einfach dort, wo wir gerade herkamen, über die Straße müssten, hat man uns dann doch mitgenommen und fünf Minuten später waren wir im Hotel.

Wäsche waschen, Abendessen und der Tag war schon wieder vorbei. Um vier Uhr klingelte bereits der Wecker, also hieß es aufstehen, anziehen und ab ins Taxi zum Flughafen. Der Flug von Manila nach San José auf Mindoro war für 6:15 angesetzt. Terminal 4, der Inlandsflugterminal, bestand einfach nur aus einer riesengroßen Halle, voll mit Metallstühlen zum Warten und war bereits um fünf Uhr morgens überfüllt. Fast jeder Platz war besetzt und auf dem Boden lagen überall Menschen und schliefen.

Nach der Ordnung und Sauberkeit Japans, der erste „Schock“. Aber der Nächste lies nicht lange auf sich warten, denn beim Wasserkaufen, stellten sich einfach zwei philippinische Omas direkt vor uns in die Schlange und drängelten sich vor. Das hätte es in Japan nicht gegeben. Als das gleiche Katha nach fünf Minuten Warten auch in der Toilettenschlange passierte, konnte sie das nicht einfach so hin nehmen und gewann den kurzen Sprint zur frei werdenden Toilette gegen die sich vordrängelnde philippinische Mutti. Dann ging es auch schon zu unserer Propellermaschine und 45 Minuten später landeten wir auf Mindoro.

Da es außer unserer Maschine keine Weitere gab, hatten wir schnell unser Gepäck und wurden am Ausgang bereits von unserem Fahrer erwartet. Leider steuerte dieser nicht die beiden komfortablen Geländewagen an, die direkt vor dem Terminal standen, sondern ging zu einem blauen Minibus, dessen Farbe bereits abblätterte und die Verkleidung im Innenraum in den letzten 30 Jahren wohl irgendwo abhandengekommen war, aber immerhin fuhr das Gefährt. Mindoro ist ziemlich hügelig und bei der ein oder anderen Steigung überlegten wir kurzzeitig, ob wir nicht lieber aussteigen und schieben sollten, aber irgendwie kam das Büssle auch so oben an und nach knapp zwei Stunden standen wir vor einem Tor, das ins Palmen bewucherte nirgendwo führte. Nach weiteren fünf Minuten waren wir dann endlich am Ziel bei „Kitesurf Mindoro“. Ein von einer Deutschen ins Leben gerufene Kite Camp bestehend aus kleinen Bungalows am „Bislig Beach“ direkt am Kite Spot.

Leider war für die nächsten drei Tage Regen vorhergesagt und der Wind sollte erst in einer Woche wieder kommen. Nicht schlimm, dachten wir uns, so haben wir endlich mal Zeit zum Entspannen. Unser Bungalow hatten wir für zwei Wochen gemietet.

Mangels Wind waren außer uns nur vier weitere Gäste im Camp (Jonas, Gigi, Jug und Natasza) und nach drei Tagen nichts tun, hatte Natasza für uns einen Ausflug in ein paar entlegene Bergdörfer organisiert. Mehr dazu gibt es allerdings in einem separaten Beitrag.

Nachdem wir also total kaputt von unserem tollen Ausflug zurück waren, stand erst mal wieder etwas entspannen auf dem Programm. Die zehn windlosen Tage verliefen somit immer ähnlich. Eine Stunde HIIT Training vor dem Frühstück, lesen und nichts tun bis zum Mittagessen und nachmittags ein kleiner Ausflug und abends wieder ein gemeinsames Dinner im Camp.

Bei einem unserer Ausflüge ging es vorbei an Reisfeldern zum „Talon Waterfall“.

Da durch den leichten, ablandigen Südwind an den ersten Tagen die Bucht komplett ruhig war, sind wir auch an zwei Abenden mit dem SUP raus gefahren, um den Sonnenuntergang zu genießen.

Ein anderes Mal sind wir mit dem Boot zum Sonnenuntergang nach “Tambaron”gefahren.

Ein Sundowner mit Bier am “EM’z Bayview Mountain Resort” durfte natürlich auch nicht fehlen.

Oder auch eine kleine Wanderung auf den Hügel am Ende unserer Bucht für ein Bierchen bei Sonnenuntergang.

An einem der Abende ging es auch zum Reifenwechseln und Pizzaessen nach Roxas.

Irgendwie mussten wir uns ohne Wind ja beschäftigen und so konnten wir nach der ganzen Reiserei endlich mal wieder entspannen und zugleich auch ein bisschen was von der Insel sehen. Egal wo wir waren, wir waren immer die einzigen Ausländer. So bekamen wir die Freundlichkeit der Locals zu spüren und einen authentischen Einblick in das Leben auf Süd Mindoro. Eine Region der Insel, die touristisch noch kaum erschlossen war.

Aber ganz ohne Wind haben wir die Zeit in Mindoro auch nicht verbracht. Die letzten sechs Tage kam der „Amihan“ vor der Sommerpause noch einmal zurück und brachte uns 15-20 Knoten Nordwind. Die ersten Kite Sessions starteten teilweise bereits um 6 Uhr morgens und die letzte hörte erst bei Sonnenuntergang auf. Jeder konnte mehrere Stunden am Tag auf dem Wasser verbringen. Am Ende dieser windreichen sechs Tage waren wir total kaputt, aber glücklich. Jeder Muskel tat weh, und durch das frühe Aufstehen und das Schlafen bei der Hitze waren wir auch sehr müde.

Noch ein paar Infos zum Spot. Der Kite Spot funktioniert leider nur bei Nord bis Ostwind, damit dieser Side-Onshore oder Onshore auf die Bucht trifft. Allerdings ist das von November bis April auch die gängigste Richtung. Der Spot ist unserer Meinung nach aber gar nicht so easy, weil durch einen Landstau der Wind am Rand stark nach oben drückt und sich immer stärker anfühlt, als er tatsächlich ist. Außerdem spielte die Tide eine große Rolle. Denn bei Ebbe ist es teilweise zu flach, um fahren zu können und bei Flut bleibt zum Starten kaum Strand mehr übrig und man muss höllisch aufpassen, dass man den Kite nicht in die Palmen setzt. Aber ist man mal ein paar Meter raus gefahren, ist der Wind relativ konstant und hinter dem Riff sogar noch ein paar Knoten stärker.

Mit dem Wind vergrößerte sich auch unsere Gruppe im Camp. Zuerst kamen Jana und Sönke dazu, die ähnlich wie wir auch auf Weltreise waren. Danach kam noch eine sechsköpfige, amerikanische Familie, die Kitesurfen konnte dazu. So wurde es richtig lebhaft an Land und auf dem Wasser.

Am dritten Tag Wind, als auf dem Wasser gut was los war, dachten wir, es wäre eine gute Idee, mal wieder mit der Drohne zu fliegen. Nachdem Benni ein paar echt coole Videos gemacht hatte und gerade wieder an Land fliegen wollte, gab die Drohne einfach ihren Geist auf und stürzte ins Wasser. Shit, wir hatten diese zwar versichert, aber zumindest das Bildmaterial zu bekommen wäre schon schön. Also warteten wir, bis es abends Ebbe war und suchten die Drohne im Wasser. Praktischerweise konnte man dem Controller die GPS-Koordinaten entnehmen, und wusste so wo die Drohne ins Wasser gestürzt war. Wir wateten also durchs knöcheltiefe Wasser, vorbei an Unmengen von Seeigeln und Seesternen, bis Benni tatsächlich genau am Ort der Koordinaten die Drohne im Wasser fand. Als wäre sie dort einfach gelandet. Wir hatten schon halb damit gerechnet, sie nicht mehr zu finden und so war die Freude natürlich groß. Leider war aber das Video mit der Absturzsequenz kaputt und Benni arbeitet noch daran dieses wieder herzustellen, damit wir wissen was passiert ist. Immerhin konnten wir die Speicherkarte retten und die Drohne werden wir spätestens in Deutschland austauschen lassen.

Schnell waren die sechzehn Tage auf Mindoro wieder vorbei. Da wir alle den gleichen Flug zurück nach Manila hatten, verbrachten wir die Shuttlefahrt zum Flughafen gemeinsam. Als es in Manila Zeit zum Abschied nehmen war, waren wir doch etwas traurig, denn wir hatten uns schon sehr an unsere Kite-Gang gewöhnt und werden diese auch etwas vermissen.

Sehr umständlich, da das Reisen auf den Philippinen von einer Insel auf die andere mindestens zwei bis drei verschiedene Fortbewegungsmittel beinhaltet, machten wir uns also auf den Weg nach Malapascua.

Katha

There is 1 comment

  1. Danke für den tollen Bericht🙌🏼
    Schade, dass wenig Wind war die ersten Tage. Aber es tat sicher auch gut, mal in den Tag leben und mal wieder Langeweile auszuhalten 🤩
    @katha ich sehe dich vor mir, wie du wutentbrannt 😡 die Damen überholt hast 😂😂😂und sie vorwurfsvoll angeschaut hast😜
    Grüße aus der Heimat 😘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert