Mangels Wind entschieden wir uns für einen Ausflug in ein paar sehr entlegene Bergdörfer. Zu sechst (Natasza, Gigi, Jonas, Jug, Benni, Katha) kamen wir nach 45 Minuten Fahrt am ersten Dorf an und wurden von unserem Guide Mari Lou begrüßt. Sie und zwei ihrer Cousins auf Motorrädern bildeten unsere Gang. Zunächst ging es zu Fuß los. Nachdem wir eine Stunde in sengender Hitze gelaufen sind, verkündete Mari Lou, dass wir den Rest des Weges zu zweit plus Fahrer auf den Motorrädern zurücklegen würden. Zu Fuß würde die Strecke zum nächsten Dorf noch über zwei Stunden dauern. Das konnte ja heiter werden. Irgendwie quetschten wir uns also auf die Motorräder und fuhren erst mal steil den Berg herunter. Danach ging es das Flussbett entlang, über Stock und Stein und durch Wasser in Richtung unseres ersten Haltes. Nach dreißig Minuten, als Benni’s Beine schon zu verkrampfen drohten, da er seine Füße in der Luft halten musste und nirgends abstellen konnte, kamen wir glücklicherweise an. Zwar mit nassen Schuhen aber immerhin unversehrt.
Vor Ort wurden wir mit frisch gepflückten Kokosnüssen vom Dorf Chief begrüßt. Das Dorf war sehr, sehr einfach und die Menschen dort lebten in einfachen Bambushütten. Immerhin hatten sie etwas Elektrizität, wenn auch kein fließendes Wasser. Nach einer kurzen Erfrischung wurden wir also voller Stolz auf die dem Dorf gehörenden Kakao Plantage geführt und durften die Kakaofrüchte probieren.
Danach quetschten wir uns wieder auf die Motorräder und fuhren weiter durch das meist ausgetrocknete Flussbett in Richtung des nächsten Dorfes. Relativ schnell wurde es aber zu steil und wir legten die nächste Stunde bergauf zu Fuß zurück. Allerdings waren die meisten von uns darüber ziemlich froh, denn diese Motorradstrecken waren nicht ganz ohne. Nach einem schweißtreibenden Fußmarsch kamen wir im zweiten Dorf an. Am Berghang gelegen, lebten hier 12 Familien mit knapp einhundert Kindern ohne Strom. Der fehlende Strom und die frühe Dunkelheit sei der Grund für die vielen Kinder, erklärte uns Mari Lou schmunzelnd. Die Kinder waren allesamt sehr scheu und fast schon ein bisschen ängstlich. Wir waren die ersten Touristen, die das Dorf besuchten und somit hatten die Kinder noch nie „hellhäutige“ und blonde Menschen gesehen. Auch die Brötchen, die wir mitgebracht hatten, wurden nur zögerlich angenommen. Also machten wir uns relativ schnell wieder auf den Weg zum nächsten Dorf.
Zunächst ging es wieder zu Fuß weiter bergauf, bevor wir wieder auf die Motorräder umsteigen konnten (mussten). Langsam zweifelten wir aber auch an der Leistungsfähigkeit der Motorräder, immer zwei von uns transportieren zu können. Inzwischen war unsere Motorradgang zwar auf vier Mitglieder angewachsen, aber vier Motorräder für sechs Leute waren unserer Meinung nach immer noch zu wenig. Hätten wir es nicht miterlebt, hätten wir es nie für möglich gehalten, dass man diese Wege mit einem Motorrad zurücklegen konnte. Als wir am dritten Dorf ankamen, waren wir bereits acht Kilometer und knapp 600 hm zu Fuß bei 35 Grad gelaufen und dazwischen noch mal etliche Kilometer auf dem Motorrad gefahren. Nun waren wir doch alle ziemlich kaputt und freuten uns auf das mitgebrachte Mittagessen. Das Dorf war größer als die Vorherigen und auf einem Bergplateau gelegen. So wehte ein erfrischender Wind. Empfangen wurden wir von der Dorfpastorin und ein paar Kindern. Und auch hier lies die Erfrischung nicht lange auf sich warten und unsere Gang brachte uns zusammen mit ein paar weiteren Dorfbewohnern frisch gepflückte Kokosnuss (hier auch Buko genannt). Gestärkt schauten wir uns das Dorf noch ein bisschen an und stellten fest, dass auch hier wie in jedem der besuchten Dörfer ein Basketballplatz angelegt war. Leider war kein Ball zu finden und eine kleine Partie Basketball musste noch etwas warten.
Als uns Mari Lou eröffnete, dass noch 23 Gipfel und 20 km vor uns lagen, um den Rundweg zu vollenden, war die Begeisterung erst mal mäßig. Auch die Aussicht, den Rest der Strecke komplett auf den Motorrädern zurückzulegen, stieß nicht bei allen auf Begeisterung. Aber was blieb uns anderes übrig, das war der einzige Weg, um wieder zurückzukommen. Glücklicherweise wurde in diesem Dorf noch ein weiterer Motorradfahrer rekrutiert und mit immerhin fünf Motorrädern konnte die Tour nun weiter gehen. Im nächsten Dorf fanden wir dann endlich einen Ball und warfen mit den Einheimischen ein paar Körbe, oder zumindest versuchten wir es. Getroffen haben wir sehr zur Freude unseres Publikums fast nie. Auch hier lebten die Leute in völliger Abgeschiedenheit und wir waren auch hier die einzigen Touristen, die je hier rauf kamen. Bei dem Weg ist das auch nicht weiter verwunderlich.
Als es wieder weiter ging, waren die Wege teilweise nicht mehr feierlich. In den Alpen wäre die Strecke als alpine Wanderroute gekennzeichnet, hier ging sie als passable Motorradstraße durch. Mit jedem Kilometer mehr verstärkte sich unsere Meinung, dass wir nur durch die extrem krassen Fahrskills unserer Gang und das Abschiedsgebet der Pastorin heil unten ankommen würden. Stundenlang ging es hoch und runter auf Matsch und Steinpfaden, die das Herz erfahrener Mountainbiker wohl höherschlagen ließen. Unsere Herzen schlugen aber eher vor Nervosität höher, wenn die Fahrer mal wieder eine unbefahrbar wirkende Stelle erfolgreich passieren konnten. Nachdem wir etlichen Kilometer auf Bergpfaden bergab gefahren sind, kamen wir endlich wieder auf geteerte Straßen. Nur war es damit noch nicht getan, nun warteten noch weitere 50 Minuten auf geteerten Straßen auf uns. Natürlich alles ohne Helm und in kurzen Sachen.

Nach zehn Stunden kamen wir dann endlich wieder zu Hause an und haben erst mal drei Kreuze gemacht. Außer Bennis Schuh, dem die Speichen der Motorräder die Schuhsohle abrasiert hatten, haben wir alle den Ausflug unversehrt überstanden. Den Ausflug hatten sich zwar alle etwas anders vorgestellt, aber trotzdem war es ein richtig cooler Tag mit vielen neuen Eindrücken.
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Gut, dass man nicht immer weiß, was auf einem zukommt 🙈und gut , dass die Berichte keine Livebeiträge sind🙌🏼