Vier Stunden und zwei Mal Umsteigen später kamen wir bei strahlendem Sonnenschein in Kyoto an. Die ehemalige Hauptstadt und frühere Kaiserstadt war aber wesentlich kleiner als Tokyo. Weniger schrill, weniger Wolkenkratzer, aber nicht weniger schön.
Die zwei Kilometer zum Hotel haben wir zu Fuß zurückgelegt, die 2€ für die Metro kann man sich ja auch mal sparen. Diesmal hatten wir ein echt cooles Hotel. Ein schöner Mix aus traditionellen Elementen wie viel Holz, Papierblenden und einem Koi-Teich und trotzdem einem normalen Bett. Besonders schön war auch die Aussicht von unserer Dachterrasse auf den gegenüberliegenden „Tō-ji Tempel“.
Nachdem wir abends mehrfach von diversen Sushi Restaurants abgewiesen wurden, da diese schon voll waren und man scheinbar nicht auf einen freien Platz wartet, haben wir uns für die To-Go Variante am Bahnhof entschieden. Nicht sehr glamourös, aber Sushi ist in Japan eigentlich eher Fast Food und somit war unsere Variante sogar die passendere. Das Sushi stellte sich als sehr frisch und super lecker heraus und es war auch mal wieder schön „Zuhause“ zu essen.
Am nächsten Tag hatten wir ein straffes Sightseeing Programm vor uns. Da durfte ein gutes Frühstück natürlich nicht fehlen. Dieses wurde nicht in Frühstücksraum zu sich genommen, sondern zu einer gewünschten Uhrzeit aufs Zimmer gebracht. Als dann der Portier mit zwei Tabletts mit jeweils einer großen dunklen Box und einer Anleitung vor der Tür stand, dachten wir uns, das kann ja interessant werden.
In der Box waren wie bereits bekannt, Reis, verschiedene kleine Häppchen und eine Schale für Tofu-Suppe. Diese mussten wir zunächst selber präparieren und dann, wie auf der Anleitung erklärt, sollten wir den Deckel schließen und den Faden an der Box ziehen. Interessant. Keine fünf Sekunden später stieg bereits Dampf aus der Box auf und der Warnhinweis, die Box nur vorsichtig anzufassen, war berechtigt, diese wurde nämlich verdammt heiß. Nach sieben Minuten war die Suppe dann fertig und wir konnten essen. War schon sehr lecker, aber hätte für uns eher als Mittagessen durch gehen können. Aber andere Länder andere Sitten.
Unser erster stop war der „Arashiyama“. Dort befand sich ein riesiger Bambuswald, eine Art Canyon und diverse Parks und Pfade zum Spazieren. Ganz japanisiert sind wir dann doch nicht, also mussten wir direkt an einem netten kleinen Café anhalten, denn ohne Kaffee lässt es sich einfach nicht so gut in den Tag starten. Natürlich hat es wieder ewig gedauert, bis wir einen Mülleimer gefunden haben, um den leeren Becher weg zuschmeißen, aber das war es uns wert.
Zunächst ging es durch den Bambus Wald, meterhoher Bambus, soweit das Auge reicht und auch ein sehr beliebter Instaspot. Darum sollte man sehr sehr früh da sein, wenn man etwas Ruhe möchte. Um neun folgten wir dort bereits einem Strom von Selfie-schießenden Touris.
Danach ging es runter an den Fluss, wo man Ruderboote leihen konnte. Ist mal was anderes, dachten wir uns und so konnte Benni nach der inzwischen langen Kitepause, endlich mal wieder ein Rücken/ Arm Workout in unser straffes Reiseprogramm einbauen. Katha ließ sich fröhlich Foto-schießend den Fluss entlang rudern und verhinderte mit ihren beeindruckenden Navigationsskills den ein oder anderen Zusammenstoß mit einem anderen Ruderboot. Lustiger als das Bootfahren selbst war das Beobachten der anderen Boote. So wie es aussah, saßen die Insassen zum ersten Mal in einem Boot und von falsch rum paddeln bis zur Schwierigkeit, die Paddel synchron ins Wasser einzutauchen haben wir echt alles gesehen.
Am Fluss gab es auch zwei Snack Boote, eins ankerte am Ufer, das andere fuhr zwischen den Ruderern hin und her und verkaufte gegrillte „Mochi-Spieße“, Snacks und Getränke. Gegen eine Stärkung hatten wir auch nichts einzuwenden, also rundeten wir bei den Booten vorbei. Nach einer Stunde mussten wir das Boot wieder abgeben. Länger hätten wir es auch nicht ausgehalten, denn langsam wurde der Fluss sehr voll und die Ausweichmanöver immer wilder.
Von dort ging es einmal mit dem Bus quer durch die Stadt zum „Kinkaku-ji“. Ein vergoldeter Tempel inmitten von Gärten und einem spiegelnden Teich. Früher hat der Kaiser dort seine Gäste und ausländische Würdenträger empfangen und irgendwann wurde es als Tempel umfunktioniert. Ganz schön pompös das Ganze.
Eine weitere Busfahrt brachte uns zum Philosophenweg, welcher uns schließlich nach Gion, dem Geisha Distrikt führte. Dort musste man sehr genau hinschauen, um eine echte Geisha von einem verkleideten Touristen zu unterscheiden. Der Großteil war aber eindeutig ein verkleideter Touri.
Nach einer kurzen Erholung im Hotel ging es weiter zum berühmten „Fushimi-Inari Schrein“, den der ein oder andere vermutlich aus dem Film „die Geisha“ kennt. Damit man nicht in einem kompletten Menschenstrom durchlaufen muss, sollte man zwischen sieben und acht Uhr morgens oder in der Dämmerung hingehen. Da es am nächsten Tag weiter nach Osaka ging, entschieden wir uns für die zweite Variante. Zehntausende traditionelle Torii Tore führen vom Hauptschrein auf den Berg hinauf.
Wir haben knapp 40 Minuten im Stechschritt auf den Gipfel gebraucht. Anfangs waren noch sehr sehr viele Menschen vor uns, aber je höher man kam, desto leerer wurde es. Durch die einsetzende Dunkelheit und die krächzenden Raben war die Atmosphäre dort richtig cool, fast schon unheimlich. Die Tore säumten fast den kompletten Weg nach oben. Außerdem sieht man, je höher man kommt Fuchsstatuen, die den Gott Inari, Beschützers des Reises verkörpern. Auf dem Weg nach unten ist uns dann auch noch ein echter Fuchs über den Weg gelaufen. Wenn das mal kein göttlicher Gruß war.
Erschöpft nach dem vielen Sightseeing und den Tausenden Treppenstufen ging es danach wieder ins Hotel zurück.
Am nächsten Tag wurde es noch mal spannend. Wir hatten vor, ein Paket unnötiger Kleidung zurück nach Deutschland zu schicken. Wir, vor allem Katha (Anmerkung der Redaktion), hatten einfach zu viel dabei, was wir noch nicht an hatten. Hupsi. Das Ausfüllen der Zollerklärung hat nach dem dritten Versuch dann auch endlich geklappt. Und mit Händen, Füßen und Google Translator konnten wir uns auch mit den Angestellten bei Japan Post erfolgreich verständigen. So konnten wir letztendendes für umgerechnet 50 €, insgesamt sieben Kilo zurückschicken. Wir sind gespannt, ob das Paket auch wirklich ankommt und wenn ja, ob vor oder nach uns. Geplante Lieferzeit sind nämlich 2-3 Monate. Nach zwei Stunden bei der Post kamen wir dann leider zu spät zum Check-out. Nachdem wir dem Rezeptionist erklärt hatten, dass wir bei der Post waren, hat dieser nur verständnisvoll gelächelt und unsere Verspätung anstandslos akzeptiert. Manches ist doch gleich, egal wo man auf der Welt ist.
Ein kurzer Halt bei unserem Sushi Laden des Vertrauens und schon saßen wir ein letztes Mal im Shinkansen. Diesmal für nur fünfzehn Minuten, denn dann kamen wir schon in Osaka an. Unserem letzten Ziel auf der japanischen Hauptinsel Honshū.
There are 2 comments
Viel Glück mit dem Paket 🍀
Ich kann mich gut an den Adventskalender erinnern, den ich Ende Oktober los geschickt habe, nach 🇨🇱 Chile. Ich wollte dich überraschen und dir eine Freude machen, liebe Katha. Er kam leiden nicht in Chile bei dir an, dafür konntest du dich im Juli daran erfreuen, als du wieder zurück in Deutschland 🇩🇪 warst. Das Paket war mehr als ein halbes Jahr unterwegs mit Zwischenstopp in Chile😅🙌🏼
Immerhin wurden es nicht vernichtet, sondern wieder brav zurückgeschickt ✨🤩 Liebe Grüße liebe Katha, lieber Benny, aus Neuseeland 🇳🇿
Ich freue mich auf euren nächsten Bericht 🎉💫
Hahah ja – das war was. Nur hätten wir hier das Problem, dass das Paket dann im Hotel in Osaka liegen würde.. also Daumen drücken 😅