Nach ein paar sportlichen Tagen in Niseko, ging es wieder in Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war Takayama. Da uns über 1000 km und viermal Umsteigen davon trennten, entschieden wir uns, die Reise in zwei Tage aufzuteilen. So hatten wir noch einen gemütlichen Vormittag in Niseko, bevor wir mittags in den Zug nach Omiya gestiegen sind. Omiya liegt eine halbe Stunde außerhalb von Tokyo. Da wir erst abends ankamen, gingen wir nur noch kurz was essen und dann auch direkt ins Bett. So ein Tag im Zug schlaucht doch mehr als man denkt.
Schon im Shinkansen in Tokyo und dieses Mal wieder ist uns aufgefallen, dass jedes Mal, wenn man die Zugtoilette benutzt hat, das Toilettenpapier-Ende ordentlich zu einem Dreieck gefaltet war. Zunächst nahmen wir an, dass das Bahnpersonal laufend durch die Toiletten geht und diese wieder herrichtet. Aber nachdem wir in einem Zug voller japanischer Rentner saßen und die Toilette zum meist frequentierten Ort im Zug wurde, wurde unsere Theorie immer unwahrscheinlicher. Eine kurze Googlerecherche hatte dann tatsächlich ergeben, dass es zum guten Ton gehört, das Toilettenpapier immer gefaltet zu hinterlassen. Ziemlich überrascht von der Erkenntnis und erneut beeindruckt von der Sauberkeit und Ordnungsliebe der Japaner, hatten wir uns damit als unmanierliche Touris geoutet. Das sollte uns ab dann natürlich nicht mehr passieren.
Am späten Vormittag am darauffolgenden Tag, ging es bewaffnet mit einem „Ekiben“ weiter nach Takayama. Takayama ist ein kleiner Ort mitten in den japanischen Alpen und bekannt für seine historische Altstadt „Sanmachi Suji“ und seine vielen Kaufmannshäuser aus der Edo Zeit (1603-1868).
Nachdem wir also im Hotel eingecheckt hatten, ging es direkt dorthin. Auf dem Weg mussten wir natürlich noch das in Japan sehr beliebte Maronen Dessert „Mont Blanc“ probieren. Aber das war sogar Katha zu süß. Mit einem Zuckerschock im Gepäck ging es also weiter.
Kleine Gassen mit alten Holzhäusern erwarteten uns. Da ein Besuch in Takayama auch ein beliebter Tagesausflug von Tokyo ist, waren die Straßen sehr voll. Nachdem wir uns ausgiebig umgeschaut hatten und auch eine kleine Sakeprobe genossen hatten, ging es wieder ins Hotel, um noch etwas Zeit mit der weiteren Reiseplanung zu verbringen.
Abends haben wir noch das berühmte Hida Wagyu Beef probiert: Köstlich zarte Rindfleischspieße mit einem frisch gezapften „Asahi“ (Bier) und da war der Tag dann auch vorbei.
Am nächsten Morgen waren wir um Punkt acht auf dem „Miyagawa Morning Market“ und haben uns das Frühstück an diversen Straßenständen zusammengestellt. Frischer Kaffee aus einer lokalen Rösterei in einem Keksbecher, kleine „Taiyaki“, in Eigelb eingelegte Eischneewürfel, ein Pudding, „Onigiri“ (gefüllte Reisbällchen) und Hida-Beef „Nikuman“ (gefüllte Dampfnudeln).
Gestärkt ging es zu Fuß nach „Hida no Sato“, ein Freilichtmuseum, welches traditionelle Häuser aus der Hida Region zeigt. Es war nicht nur interessant zu sehen, wie die Leute damals gelebt haben, sondern auch das frei zugängliche Museum zu erleben. Es stand nämlich nicht an jeder Ecke ein Museumsangestellter, der penibel drauf geachtet hat, dass man auch ja nichts berührt, sondern in jedem Hauseingang waren lediglich „No Shoe“ Schilder und Hausschuhe, mit denen man dann die Häuser auf eigene Faust erkunden konnte.
Nachdem wir uns viele Häuser angeschaut hatten, ging es zurück in die Altstadt für eine Portion Hida Soba und ein Softeis. Wäsche waschen, packen und wir waren bereit, am nächsten Morgen nach Hakone zu fahren.
Um 7:35 wollten wir zum Gleis, um dort auf unseren Zug zu warten, wurden aber vom Kontrolleur um etwas Geduld gebeten, da die offizielle Uhrzeit, zu der man ans Gleis durfte, erst 7:40 war. Um 7:38 wurde dem nächsten Pärchen der Durchgang verweigert und so verbrachten dann acht wartende Fahrgäste und zwei japanische Fahrkartenkontrolleure die letzten beiden Minuten damit, auf die Bahnhofsuhr zu starren, um zu sehen wie sich der Zeiger bewegte. Um Punkt 7:40 hörte man ein erleichtertes Aufatmen allerseits und der Kontrolleur winkte uns alle durch. Man muss sie lieben, die japanische Genauigkeit.
Die Fahrt nach Hakone wurde durch stetigen Regen begleitet, erst bei Ankunft lies es ein bisschen nach. Einchecken konnten wir noch nicht, das ging erst ab 16.00. Also liefen wir runter an den See, um die Zeit zu vertreiben. Ein spätes Mittagessen, gewollt kalte Soba und Tempura und ein Kaffee am See später war es immer noch nicht vier und wir entschieden uns trotz des pfeifenden Winds und dicker Wolkendecke am See entlang zum nahe gelegenen Hakone Schrein zu gehen.
Leider war da eine ellenlange Schlange am Fotopoint, also drehten wir wieder um und versuchten unser Glück noch mal beim Check-in. Da es immer noch nicht vier war, wollten wir in der Lobby warten, aber auch das wurde uns verwehrt, da diese in dem Moment geputzt werden sollte. Also setzten wir uns wie bestellt und nicht abgeholt vors Hotel und warteten. Nach 15 Minuten durften wir auch in der Lobby warten, aber nicht einchecken, es war ja erst 15:45. Nachdem auch hier inzwischen mehrere Gäste auf den Check-in warteten und um 15:58 noch jemand abgewiesen wurde, ging es dann tatsächlich um pünktlich 16:00 los. Immerhin, das Gepäck, das wir zuvor im Hotel deponiert hatten, wartete bereits im Zimmer auf uns.
Da wir am nächsten Morgen bereits nach Kyoto fahren wollten, gingen wir vor dem Frühstück noch schnell zum Hakone Schrein für ein Foto. Immerhin kam nur ein weiteres Paar auf die Idee und so war diesmal keine Schlange.
Danach ging es noch in den „Onshi-Hakone Park“ in der Hoffnung, den Mount Fuji in der Ferne zu sehen. Leider war es immer noch zu wolkenverhangenen und wir konnten nur auf den See schauen. Also zurück ins Hotel und ab nach Kyoto.
Hakone war zwar ganz nett, wenn man noch nicht in Baden-Württemberg gewesen ist und wenn man dem Großstadttrouble entgehen möchte, aber leider auch eine kleine Touristenfalle. Beim nächsten Mal würden wir uns einen andern Ort aussuchen, um einen Blick auf den Fuji zu erhaschen.