Niseko – mit dem Bullet Train ins Powderparadies

Unsere erste Zugfahrt in Japan führte uns nach Niseko, auf der Insel Hokkaidō im kalten Norden von Japan. Für die Zugfahrten in Japan hatten wir uns den zweiwöchigen JR Railpass besorgt, mit dem wir in dem Zeitraum fast alle Züge im Land nutzen können.

An der „Tokyo Station“ angekommen, haben wir uns erst einmal, wie es in Japan bei Zugreisen üblich ist, ein „Ekiben“ besorgt. Ekibens sind speziell für Zugfahrten gemachte Lunchboxen. Die Auswahl an verschiedenen Gerichten in den Bahnhöfen ist schier unendlich. Vom klassischen Sushi bis zu selbstwärmenden Ramen war alles erhältlich.

Nachdem wir uns anhand der zahlreichen Abbildungen für die für uns am leckersten aussehende Box entschieden hatten, ging es direkt zum Gleis. Bereits 10 Minuten vor Abfahrt fuhr unser Shikansen „Hayabusa“ am Gleis ein. Bevor wir jedoch den Zug betreten durften, wurde der Eingang erst einmal abgesperrt. Ein sechsköpfiges Reinigungsteam betrat unseren Waggon und putzte den kompletten Waggon von vorne bis hinten nass durch. Bereits beeindruckt von dem ganzen Aufwand, von dem man in Deutschland nur träumen kann, ging zum Schluss dann auch noch ein Mitarbeiter mit dem Staubsauger durch, um auch wirklich noch den letzten Krümel zu erwischen. Innerhalb von sieben Minuten bekam der Zug also eine Behandlung, die bei der deutschen Bahn vermutlich einem Frühjahrsputz entspricht und wir konnten den saubersten Zug betreten, in dem wir jemals gereist sind. Drei Minuten später fuhr der Zug dann auch pünktlich los, was uns jedoch nicht mehr wirklich überraschte. So ging es mit Tempo 320 km/h im „Hayabusa 19“ in Richtung Niseko.

Nach ungefähr drei Stunden Zugfahrt brachte uns der Hunger dann auch dazu, unsere „Ekibens“ zu öffnen. Von den zehn kleinen Gerichten in unserer Box konnten wir auf den ersten Blick ungefähr zwei identifizieren (Eins davon war die Reisbeilage …). Der Rest musste also mit dem Gaumen geprüft werden. Zu unserer Freude waren alle Gerichte sehr lecker und auch die Übersetzung der Speisekarte (natürlich erst nachdem wir gegessen hatten), brachte uns keine bösen Überraschungen.

Nachdem wir noch die letzten Kilometer in einem Regionalzug zurücklegen mussten, erreichten wir nach 7 1/2 Stunden Hirafu am Fuße des Annupuri. Für eines der Zentren der japanischen Skikultur waren wir dann doch von der überschaubaren Größe überrascht. Der Blick aus dem Hotel-Shuttle auf 3-4 m hohe Schneewände am Straßenrand ließ uns jedoch schon erahnen, mit welchen Schneemengen Niseko im Winter gesegnet ist. Nach dem Check-in im Hotel ging es direkt zur Anprobe unserer Skiausrüstung, um direkt am nächsten Morgen auf die Piste starten zu können. Leider gab es in den letzten Tagen einen Temperaturanstieg und keinen Neuschnee mehr. Deshalb haben wir anstatt der dicken Powderlatten erst einmal die AllMountain-Ski gewählt.

Am nächsten Morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück pünktlich um 8 Uhr auf die Piste. Bereits bei der ersten Liftfahrt merkten wir, wie seltsam uns die Kombination aus japanischer Kultur und Skifahren vorkommt. Angefangen bei den ständigen Verbeugungen des kompletten Liftpersonals bis zu den japanischen Lautsprecherdurchsagen war alles ungewohnt, aber irgendwie auch witzig. An den weniger frequentierten Skigondeln wurden uns selbst die Skier beim Aussteigen aus der Gondel mit einer Verbeugung überreicht. Es hätte uns an dem Tag auch nicht mehr gewundert, wenn sie während der Gondelfahrt auch noch einen Skiservice gemacht hätten.

Das Skigebiet selbst ist mit ca. 50 Pistenkilometern für europäische Verhältnisse eher klein und die Einstufung der Pisten sehr konservativ. Wirklich anspruchsvolle Pisten waren trotz mancher Warnschilder „Experts only“ nicht wirklich zu finden. Vermutlich waren diese eher zur Abschreckung der zahlreichen Anfänger gedacht. Die Vorzüge des Skigebiets erkennt man jedoch an den nicht vorhandenen Schneekanonen. Jeden Winter fallen hier konstant ca. 15 Meter Schnee. Wenn man hier zur richtigen Zeit ist, verwandelt sich der ganze Berg in ein einziges Tiefschneeparadies.

Nach 4 1/2 Stunden und 28 Pistenkilometern ohne Pause war dann auch Schluss mit unserem ersten Skitag in Japan. Zurück im Hotel ging es erst einmal zum nächsten Supermarkt, um einzukaufen. Zum ersten Mal seitdem wir unterwegs sind, hatten wir in unserer Suite eine voll ausgestattete Küche. Diese Gelegenheit wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Anstatt also herauszufinden, was das japanische Pendant zum Kaiserschmarrn ist, gab es zum ersten Mal seit Langem wieder selbstgekochte Spaghetti.

Am nächsten Tag waren wir wieder pünktlich um 8 Uhr auf der Piste. Um etwas Abwechslung zu bekommen und, damit Katha ihre von den Leih-Skischuhen malträtierten Schienbeine etwas schonen konnte, sind wir jedoch aufs Snowboard gewechselt. Nachdem wir den ganzen Vormittag auf den Anfängerhügeln an unseren Snowboardskills gearbeitet hatten, ging es dann endlich auch in die japanische Skihütte. Almdudler, Kaiserschmarrn und Spaghetti Bolognese waren hier jedoch nicht zu finden. Die Japaner lieben einfach ihre Nudelgerichte und so gab es auch hier die Möglichkeit, von Ramen bis Udon, aus zwanzig verschieden Gerichten zu wählen. Das einzig heimische war dann nur das frisch gezapfte Bier vom Fass (was, aber überraschend gut war).

Nach dem Mittagessen war dann auch Schluss und es wurde Zeit für den Gang in einen „Onsen“. Onsen sind traditionelle Bäder, welche von heißen Vulkanquellen gespeist werden. Wie vor den meisten Dingen, die wir hier in Japan ausprobieren, mussten wir uns vorher natürlich noch mal den Onsen-Knigge durchlesen. Sonst kann es schnell mal passieren, dass man in mehrere Fettnäpfchen tritt oder vielleicht jemandes Familie entehrt. Nachdem wir uns also das kleine Einmaleins für Onsengänger angeeignet hatten, ging es für ca. 30 Minuten in das brühend heiße Becken. Einmal komplett durchgekocht war danach auch die letzte Energie raus und der Tag vorbei.

Unser letzter Skitag brachte uns zum Abschluss noch einmal sehr viel Sonnenschein und eine traumhafte Sicht auf das einmalige, von Vulkanen geprägte, Panorama hier in Niseko. Besser hätte unser Aufenthalt hier im Norden Japans nicht zu Ende gehen können. Nach diesem kurzen Kälteschock war es jetzt aber auch wieder Zeit, um „Sayonara“ zu sagen und wieder in Richtung Süden zu reisen.

Benni

There are 2 comments

  1. Liebe Katha, lieber Benni,
    es ist so schön, eure Reiseberichte zu lesen und ein kleines bisschen mit dabei zu sein. Die Mädels können es immer kaum erwarten, bis die neuen Bilder online sind.
    Wir wünschen euch weiterhin eine tolle und unvergessliche Zeit. Wir drücken euch ganz fest.
    Liebe Grüße vom W mit seinen 3 M

    1. Hallo ihr Vier aus dem Weber-Hüsle,

      Freut uns sehr, dass wir euch auf unserer Reise ein bisschen mitnehmen können und, dass unsere Beiträge so gerne gelesen werden 🙂 Da macht das Schreiben doch gleich doppelt so viel Spaß 😁

      Grüße aus den japanischen Alpen,
      Katha & Benni

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