Neues Land – neuer Kontinent – eine total andere Kultur. Das hat man schon beim Check-in auf Hawaii bemerkt. Normalerweise waren wir immer die ersten. Dieses Mal, trotz drei Stunden Vorlauf, standen bereits sehr viele Japaner in der Schlange vor uns.
Beim Anstehen wurden bereits Pass, Impfzertifikat und Ausreiseticket aus Japan geprüft. Moment mal. Ein Ausreiseticket? Das war eine neue Information. Wir hatten extra recherchiert und es hieß je nach Airline wird ein Rückflugticket verlangt, aber bei Zipair auf der Website stand dazu nichts. Aber es half nichts, denn wir wurden ohne Ausreiseticket aus Japan nicht zum Check-in durch gelassen.
Gut, dass wir so früh da waren. So haben wir schnell ein umbuchbares Ticket von Okinawa nach Taipeh gebucht. Sieht so aus, als wäre das dann unser nächstes Reiseland. Mit dem Ticket bewaffnet durften wir uns dann wieder in die inzwischen noch längere Schlange einreihen. Während wir warteten, hatte Benni noch einen gefühlt fünf-minütigen „wer blinzelt verliert“ Contest gegen ein einjähriges japanisches Mädchen verloren. Lustigerweise saß die Familie auch im Flugzeug neben uns und die Kleine hat uns weiterhin andauernd angestarrt.
Der Flug war äußerst angenehm und nach acht Stunden Flug kamen wir mittags in Tokyo an. Nun kam der Einreise Prozess. Bereits im Flugzeug konnten wir die Einreise, Zoll und Corona Infos dank WLAN online ausfüllen. Zunächst wurden wir durch kilometerlange Korridore in ein Hinterzimmer geschleust, wo unser Impfzertifikat geprüft wurde. Den Weg hätte man zwar dank der Absperrungen nicht verfehlen können, aber sicherheitshalber stand trotzdem alle fünf Meter ein hinter der Maske freundlich grinsender Japaner, der mit Gesten den Weg gewiesen hat. Einreise und Zoll haben wir auch erfolgreich durchlaufen können und so standen wir zwei Stunden später mit Sack und Pack am Flughafen. Mit dem JR Train ging es die 1.5 h nach Shibuya zum Hotel. Der Ticketkauf war schwieriger als gedacht und wir können trotz Internetrecherche nicht sagen, ob die beiden Tickets, die wir pro Person gekauft hatten, richtig waren, oder ob wir einfach zwei Fahrkarten pro Kopf gekauft haben.


Nachdem wir endlich im Hotel in unseren 12 qm Schuhkarton (inkl. Bad wohlgemerkt) eingecheckt hatten, auf Hawaii war es inzwischen ein Uhr morgens, haben wir uns noch die Shibuya Crossing angeschaut und sind dann todmüde in unseren Knast-Schlafanzügen ins Bett gefallen.





Parks, Tempel & Tokyo von oben
Dank Jetlag waren wir jeden Tag um sechs Uhr wach und konnten unseren täglichen Halbmarathon in aller Frühe starten. Auch wenn wir sehr günstig ein 72-Stunden-Metroticket gekauft hatten, kann man zu Fuß viel erreichen. Am ersten Tag standen sehr viele Schreine auf dem Programm. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns Schrein für Schrein von Shibuya bis Ginza.















Auch wenn wir kurz vor der Kirschblüte in Tokyo waren, konnten wir in einigen Parks zumindest blühende Pflaumen und Winterkirschen bestaunen. Außerdem gab es hier und da bereits ein paar übermotivierte Frühblüher Kirschblüten.






In Ginza fanden wir durch Zufall ein sehr kleines Soba (wie Ramen aber aus Buchweizen) Restaurant, welches fortan unsere tägliche Anlaufstelle für die Mittagspause wurde, das „Ginza Kagari Main Branch“. Man musste zwar je nach Uhrzeit zwischen 20 und 60 Minuten auf einen Platz am Tresen warten, aber die haben sich gelohnt. Danach gab es bei „Taiyaki Kanda Daruma“ einen köstlichen puddinggefüllten Fischkeks „Taiyaki“ und das Mittagsmahl war perfekt. Ihr werdet sehen, in Japan dreht es sich viel ums Essen … aber bei der Küche ist das auch kein Wunder.










Abends haben wir uns noch den „Asakusa-Schrein“, der zu später Stunde nicht so überlaufen war, angeschaut. Danach sind wir nach einer Portion gewollt kalter Soba auf den „Tokyo Skytree“ gegangen. Mit 634 m das dritthöchste Gebäude und der höchste Turm der Welt. Von dort hatte man eine tolle Sicht über Tokyo.











Fisch Markt, Pandas im Ueno Zoo & Shinjuku
Die nächsten beiden Tage ging es um 7 Uhr auf den „Tsukiji Fischmarkt“. Dort konnte man sich bei diversen Ständen durch japanische Speisen durch probieren. „Tamagoyaki“ – süßer Rühreispieß, Shrimps-Fishcake, Tuna Sushi, Corn-Fishcakes, Unagi – gegrillter Süßwasseraal, gefüllte „Ichigo Daifukus“ und vieles mehr.
















Danach ging es weiter in den „Ueno Park“. Dort haben wir festgestellt, dass dort auch der gleichnamige Zoo ist. In diesem kamen im letzten Jahr Panda-Zwillinge zur Welt. Da Pandas schon ziemlich süß und lustig sind, sind wir rein gegangen. Zusammen mit unglaublich vielen Panda Fans standen wir eine Stunde an, um einen einminütigen Slot mit den Pandas zu bekommen. Die Leute dort warten echt krass. Bewaffnet mit drei Spiegelreflexkameras pro Person und etlichen Kleidungsstücken mit Pandas drauf. Ein, zwei Personen kamen auch (hoffentlich vor Rührung) weinend wieder von ihrem Besuch heraus. Endlich waren auch wir an der Reihe um eine Minute mit Mama Panda und den Zwillingen zu verbringen. Einer der Kleinen schlief auf einem Baum, der andere wollte seiner Mama den Bambus klauen, was diese elegant mit dem Fuß zu verhindern wusste.




Nach diesem süßen und lustigen Erlebnis sind wir auch noch zu Ri Ri, dem separat gehaltenen Papa Panda gegangen, der wie ein Proll in der Sonne lag und Bambus kaute. Da es inzwischen relativ spät war, ging es nach Ginza für Soba und danach für ein Nachmittagspäuschen in unsere Schuhschachtel.
Als es dunkel wurde haben wir noch die schrillen Gassen von Shinjuku besucht.










Hamarikiyū Park & Kaiserpalast
Nach einem erneuten Frühstück auf dem Fischmarkt liefen wir in den „Hamarikuyū Park“ in Hafennähe. Eine kleine Oase mitten in der Stadt. Blühender Raps und viele Pflaumen und Winterkirschen gaben ein tolles Bild ab.














Im Park sind wir noch an einem Teehaus vorbei gekommen. Da wir sowieso noch in ein solches gehen wollten, war das unsere Chance. Zunächst hieß es Schuhe ausziehen und Tee bestellen. Danach durften wir uns einen Platz auf den Tatamimatten suchen. Der Tee zusammen mit einer kleinen japanischen Süßigkeit wurde sehr förmlich serviert und wir konnten diesen mit Blick auf den See und die dahinter liegenden Wolkenkratzer genießen.





Danach gingen wir noch mal nach Asakusa zum „Senso-ji“ Schrein, um diesen bei Tageslicht zu sehen. Schön und sehr interessant, da unglaublich viele Geishas rumliefen. Eine kurze Googlerecherche hat ergeben, dass das wohl der letzte Schrei dort ist, sich einen Kimono zu leihen, sich schminken zu lassen und als Geisha durch das Viertel zu laufen. Thanks but no thanks. Wir sind einfach durch die überfüllten Straßen geschlendert und haben noch die ein oder andere Köstlichkeit an einem der Straßenstände probiert.







Von dort ging es weiter in die Gärten des Kaiserpalasts. Der japanische Kaiser war aber leider nicht zu sehen.




Tokyo Tower, Team Lab & Akhibahara
Am nächsten Morgen ging es zunächst zur Tokyo-Station. Da wir die nächsten zwei Wochen viel mit dem Zug unterwegs sein würden, wollten wir mal „Yamato Transport“ ausprobieren. Für relativ wenig Geld transportieren die einem den Koffer durch Japan. Unsere Idee war, den Kitekoffer sehr vollzupacken und diesen dann auf die Okinawainsel Ishigaki ins Hotel zu schicken. Das OK des Hotels hatten wir, und nach einem kritischen wiegen durch die Dame am Schalter akzeptierte sie diesen mit 29.6 kg, 400 g unter dem Maximalgewicht. Da die Frau sehr gut englisch Sprach, half sie uns beim Ausfüllen des Papierkrams. 20 min und 32€ später waren wir den Koffer los. Dieser würde am nächsten Tag nach Okinawa geflogen, dort eine Woche eingelagert und danach ins Hotel gebracht. Laut AirTag hatte er es bereits einen Tag später bis zum Ishigaki Airport geschafft. Das war schon mal sehr vielversprechend. Mal schauen, ob dieser auch in zwei Wochen im Hotel auf uns wartet.




Vorbei am Tokyo Marathon-Start und der Zielgeraden ging es zum „Tokyo Tower“, einem roten, kleineren Ebenbild des Eiffelturms. Danach haben wir noch das historische „Yanaka“ Viertel angeschaut, das den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat und haben uns auf den Weg zu TeamLab gemacht.






TeamLab ist ein interaktives Museum, wo man die Kunst mit allen Sinnen, Händen und Füßen erleben soll. Wer da demnächst hin möchte, sollte nicht weiter lesen. Spoiler Alert.
Tickets hatten wir vorab reserviert und so standen wir pünktlich um 16.30 am Eingang. Bei der Unterweisung sollten wir die Schuhe ausziehen und uns wurde empfohlen, keinen Rock zu tragen und die Hose bis zum Knie hochzukrempeln. Shorts wurden auch umsonst verliehen. Also packten wir unsere Sachen ins Schließfach und gingen Barfuß hinein ins Kunstmuseum. Zunächst musste man ein clever getarntes Desinfektionsbad für die Füße nehmen, indem man eine schräge Ebene im Wasserfallstyle hochlaufen musste. Danach ging es durch unterschiedliche Welten. Vom Lichtermeer und Spiegelraum durch einen See, ein Bällemeer, Silberkugelgarten und schließlich in ein dreidimensionales Blumenmeer. Sehr schön, sehr faszinierend und leider auch sehr voll, aber trotzdem ein Besuch wert.







Nach ein paar Videospielen in Akibara ging es zurück ins Hotel. Nun hieß es packen und noch wärmer anziehen. Am nächsten Tag nahmen wir unseren ersten Shinkansen nach Hokkaido zum Skifahren in Niseko. Größer könnte der Kontrast nach Hawaii nicht sein.




Dinge die uns in Tokyo aufgefallen sind:
- Die Freundlichkeit der Japaner: Jeder verbeugt sich, ist achtsam und zuvorkommend.
- Die Sauberkeit: Kein Krümelchen lag auf dem Boden und es gibt fast keine Mülleimer. Das liegt wohl daran, dass Essen und Trinken in der Öffentlichkeit und vor allem im Gehen als schlechte Manier gilt.
- Geordnetes Anstehen: Überall wurde fein säuberlich angestanden. Vor jedem Restaurant, oder an der Metro. Überall gab es eine ordentliche Schlange und jeder reihte sich brav ein.
- Tolles Essen: Viel günstiger als gedacht!
- Yamato Transports: Die einem für wenig Geld das Gepäck von Hotel zu Hotel transportieren.
- Bargeld: Man benötigt mehr Bargeld als gedacht.
- Menschenmassen: Es gibt einfach soooo viele Menschen in Tokyo. Egal wo man hin geht.
- Bezahlung: Bezahlt wird immer am Ausgang. Entweder man bekommt die Rechnung direkt mit dem Essen oder man nennt die Tischnummer. Super praktisch und die Rechnung und man muss nicht ewig auf den Kellner warten.
- Trinkgeld: Ist in Japan nicht üblich.
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🥰 Ich liebe es, eure Berichte zu lesen, die sind so lebendig und interessant geschrieben. Ich habe das Gefühl, ich höre eure Stimmen, als ob ihr neben mir sitzt und erzählt. Macht weiter so.🙌🏼🤩💫😘