Touchdown auf Maui. Nachdem wir Kauai bei strömendem Regen verlassen hatten, wurden wir auf Maui bei strahlendem Sonnenschein und Wind begrüßt. Kurz zum Mietwagencenter unser Mustang Cabrio (diesmal in Blau) abholen und los ging es direkt zum Kite Beach, um die Zeit zum Hotel Check-in zu überbrücken.

Der Kite Spot
Der Kite Beach befindet sich im „Kanaha Beach Park“ hinter dem Flughafen. Vor 11 Uhr dürfen nur Schwimmer ins Wasser. Der Strand ist so wie es der Deutsche liebt, ordentlich nach Sportarten aufgeteilt. Der untere Teil gehört den Kitesurfer, dann kommen die Winger und schließlich die Windsurfer. Erst wenn man sich am Riff vorbei gearbeitet hat, vermischen sich die Sportarten. Der Strand wird bis 16 Uhr von Lifeguards bewacht, die einen im Notfall auch aus dem Wasser retten. Dann sollte man sich aber mit einem gekühlten Sixpack Bier erkenntlich zeigen. Der Spot bietet genug Sandstrand zum Starten und Landen hat, aber zumindest im Winter eine große Schwierigkeit. Der Startbereich und die ersten paar Hundert Meter im Wasser sind extrem böig. Und extrem ist hier wirklich extrem. Hat man den Kite erst mal gestartet, muss man sofort ins Wasser rennen, denn durch die Böen wechselt es innerhalb von Sekunden von einem extremen Zug auf keinen Wind und der Kite fällt buchstäblich vom Himmel. Kitefails sind hier also vorprogrammiert. Hat man es aber ins Wasser und per Bodydrag oder fahrend 200 m raus geschafft, zieht der Wind extrem an. Schafft man es noch über die am Riff brechenden Wellen hinaus, sind einem 40-50 Knoten Side-Onshore Wind garantiert.
Die ersten Tage auf Maui
So viel zum Kitespot, aber nun zurück zum Anfang. Wir hatten ja bereits von Amy und Michael aus Maui, die wir in La Ventana kennengelernt hatten, erzählt. Dank der äußerst detaillierten Beschreibung von Michael fanden wir auch prompt um 11 Uhr Reinhard und Karim am beschriebenen Strandabschnitt sitzen und haben uns mit ihnen bekannt gemacht. Nach ein paar wertvollen Tipps zum Spot haben wir uns auch direkt ins Wasser gewagt. Benni, zuerst. 9m Kite bei 30 Knoten sehr böigem Wind ist zwar etwas groß, aber was blieb uns anderes übrig. Nach einem turbulenten Start konnte Benni die erste Fahrt auf Maui genießen. Auch Katha hat es aufs Wasser gewagt, aber da der Wind am Nachmittag noch stärker wurde, ist sie recht schnell wieder rausgekommen. Ein kleinerer Kite musste her.
Zurück am Strand, hatten wir uns noch ein bisschen zu Karim und Reinhard gesetzt und dabei noch ihren Bekannten Bill kennengelernt. Der Ohana Spirit ist hier auf Maui richtig zu spüren. Wir wurden supernett von allen aufgenommen und mit einbezogen. Bill hatte uns auch direkt angeboten, am nächsten Tag seinen 7m Kite zu fliegen, da er ihn eh nicht mehr bräuchte. Ein bisschen überrascht von dem netten Angebot, nahmen wir es dankend an und verabredeten uns für den nächsten Tag.

Auf dem Weg ins Hotel hielten wir auch noch an einem Kiteshop an, um zu sehen, ob wir nicht noch einen 7m Kite kaufen könnten, aber da es nur Wave Kites gab, wollten wir erst mal Bills Cabrinha Kite testen. Vom Kite Beach im Norden ging es 30 min in den Süden zu unserem B&B. Ein richtig schönes Zimmer mit kleiner Küche und Terrasse, wie man es sich auf Hawaii vorstellt. Die Vermieterin Eva war sehr nett und hat uns täglich mit frisch geschnittenem Obst und Frühstück versorgt. Den Abend haben wir dann in Kihei mit einer Poke-Bowl ausklingen lassen.
Nach einem leckeren Frühstück haben wir erst mal von den kostenlos zur Verfügung stehenden Waschmaschine gebrauch gemacht, denn die Unterhosen wurden langsam knapp. Nach getaner Arbeit ging es direkt zum Kitebeach. Für die ganze Woche war Sonne und viel Wind vorhergesagt. Das mussten wir ausnutzen. Kurz nach uns kam dann auch Bill an und wir konnten seinen 7m Kite testen und fliegen. Das war direkt viel besser. Der Kite hat bei der Windstärke locker gereicht und da er kleiner war, konnte man die starken Böen auch viel besser auffangen. Nach einem erfolgreichen Kite Tag einigten wir uns mit Bill darauf, dass wir ihm den Kite abkaufen würden. Nicht wissend, dass er uns den Kite am Ende einfach schenken würde. Da wir alle durstig waren, holten wir uns ein Bier und Bill zeigte uns seinen Lieblingsspot um Surfer, Wellen, Wale und den Sonnenuntergang zu beobachten – den „Hookapi Beach“. Gemeinsam ließen wir den Tag ausklingen.
Am nächsten Tag, wieder mit viel Wind und um uns herum schwimmenden Schildkröten passierte dann das, was wir immer gefürchtet hatten. Katha hatte aufgrund der hohen Wellen das Board verloren und auf dem Wasser nicht mehr gefunden. Also hat sie sich vom Kite an Land ziehen lassen und die Odyssee begann. Einen besseren Tag hätte sie sich dafür nicht aussuchen können, denn um 18.00 hatten wir eine Luao Show gebucht. Im 40 min entfernten Lahaina.
Also ging die Suche los. Reinhard empfahl uns, am Strand entlang zu laufen, manchmal spülten Wind und Wellen das Board wieder an Land. Nach 2 h und etlichen Strandkilometern später hatten wir zwar kein Board gefunden, aber immerhin eine schlafende Schildkröte am Strand entdeckt. Langsam wurde die Zeit knapp und wir überlegten schon, wo wir am besten ein neues teilbares Board auftreiben könnten, um für die restliche Reise wieder einen fahrbaren und transportierbaren Untersatz zu haben. Als letzter Ausweg fuhren wir zum 5 km südlich gelegenen Hafen … vielleicht hatten wir ja Glück. Kaum geparkt, wir konnten es kaum glauben, lag dort unser Board im Wasser. Jubelnd liefen wir darauf zu, nur um festzustellen, dass die Wellen das Board immer so weit von den Felsen wegspülten, dass wir nicht einfach so dran kamen. So nah und doch so fern. Benni kletterte also die Felsen nach unten, Katha hinter her und er fand einen großen Stock, den er als Hilfsmittel benutzen konnte. Aber bevor es dazu kam, kam eine große Welle und warf ihn zurück gegen die Felsen und lies ihn durchnässt dort sitzen. Das Unterfangen stellte sich als gefährlicher und schwieriger heraus als zunächst angenommen. Nach weiteren erfolglosen Versuchen drehten die Wellen das Board irgendwann so, dass die Bindung nach oben lag. Nach einer weiteren Welle konnte Benni das Board schließlich zu uns heranziehen. Klatschnass und erleichtert das nichts passiert ist hatten wir endlich unser Board in der Hand. Bis auf ein paar kleinen Schrammen war dieses völlig unversehrt. Welch ein Glück.

Inzwischen war es allerdings schon fünf Uhr. Jetzt wurde es knapp. 30 min Heimfahren, 5 min duschen und umziehen und wieder ins Auto nach Lahaina. Um 18.40 Uhr kamen wir dezent verspätet an und wurden endlich, nachdem es diesen nicht wie in Filmen schon am Flughafen gab, mit einer Blumenkette begrüßt. Vorspeise und ersten Gang mussten wir auf einmal einnehmen. Aber danach konnten wir die Show in Ruhe mit einer Piña Colada genießen. Die Luao „Feast at Lele“ versprach eine kulinarische und tänzerische Reise durch Hawaii, Neuseeland, Samoa und Tahiti und enttäuschte nicht. Jeder Gang wurde serviert und schmeckte super. Einer der Gründe, wieso wir uns für diese Luao entschieden hatten, war, dass es eben kein Buffet und Gruppentische gab, sondern Tisch Service und einen eigenen Tisch für uns. Gut, dass wir unser Board wieder gefunden hatten, sonst hätten wir den Abend bestimmt nicht genießen können.
Den folgenden Tag verbrachten wir wieder kitesurfend und wurden abends von Reinhard und Karim zum Essen eingeladen. Das erste selbst gemachte Essen seit Monaten und Karim hatte sich selbst übertroffen. Da sie gebürtige Peruanerin ist, servierte sie uns Papas al Ajillo, frisches Ceviche und Tallarines rojos con Pollo. Und zum Abschluss gab es noch Vanilleeis mit Mango aus dem Garten. Gut gesättigt verbrachten wir einen schönen Abend mit den beiden.
Road to Hana
Wir waren zwar sehr sehr viel Kitesurfen auf Maui, aber die „Road to Hana“ konnten wir uns nicht entgehen lassen. Glücklicherweise war für Samstag Regen und der Wind noch viel böiger vorhergesagt wie bisher. Da wir von mehreren Personen gehört hatten, dass man relativ früh los sollte, sind wir um 6.00 aufgestanden. 40 min in den Norden und 40 min nach Osten und die „Road to Hana“ ging los. Anfangs fuhren wir viele Serpentinen entlang durch Wald/ Dschungel/ Regenwald, immer an der Küste entlang. Hier hatte es eine gewisse Ähnlichkeit mit Kauai. Wären nicht so viele Schleicher unterwegs gewesen, hätte Benni beim Fahren sicherlich noch etwas mehr Spaß gehabt. Kurven sind auch etwas Gefährliches. Lieber immer direkt davor auf 5 km/h abbremsen.
Unser erster Halt war der „Keanae Lookout“ mit Blick auf schwarze Felsen, grüne Hügel und blauem Meer. Da inzwischen schon nach 9 war, verspeisten wir dort unser mitgebrachtes Müsli.
Weiter ging es die Straße entlang. Nachdem wir auf Kauai schon so viele Wasserfälle gesehen hatten, hielten wir hier nicht an. Die meisten gingen sowieso direkt neben der Straße runter und man konnte auch beim Vorbeifahren einen Blick darauf erhaschen. Nächster Halt sollte eigentlich der „Black Sand Beach“ werden. Wie bei zu vielen Sehenswürdigkeiten auf Hawaii braucht man hier eine vorab online Reservierung. Idealerweise Wochen im Voraus. Leider wussten wir das nicht und so hieß es umdrehen und weiter fahren. Beim „Red Sand Beach“ brauchte man keine Reservierung. Allerdings gibt es in der Nähe des Wegs nur ca. sechs Parkplätze. Wenn man also eher später am Tag ankommt, darf man ein gutes Stück laufen. Da wir die 20 Wasserfälle Amistyle (ohne Aussteigen) besichtigt hatten, waren wir früh genug da. 10 Minuten einen kleinen schmalen Pfad am Wasser entlang und schon waren wir am Ziel. Eine wunderschöne kleine Bucht aus rotem Sand und krass türkisfarbenen Meer. Außer uns waren nur eine Handvoll andere Leute dort und so konnten wir die Natur in Ruhe genießen.
Danach haben wir noch am „Hamoa Beach“ halt gemacht und ein paar Surfer beobachtet. Hier war schon etwas mehr los.
Unser letzter Halt waren die „Ohe’o Gulch/ Seven Sacred Pools“. Eine Ansammlung von Pools und Wasserfällen, die im Meer münden. Früher durfte man dort noch schwimmen, aber seit sich jemand verletzt und den Park verklagt hat, ist das leider verboten.
Nun ging der spannende Teil der Straße los. Erst fünf Kilometer engste Küstenstraße, wo kaum zwei Autos aneinander vorbei kamen und vier Kilometer unbefestigte Straße – links ging es steil ins Meer runter, rechts ragten die Felsen auf. Erst haben wir die Steinschlagschilder ignoriert und sind weiter offen im Cabrio gefahren. Nachdem wir aber immer mehr Felsbrocken auf dem Weg liegen sahen, machten wir das Dach dann doch lieber zu.
Der Rückweg und somit der südliche Teil der Insel war unserer Meinung nach schöner als der Hana Teil, denn hier windete sich die Straße für 20 km die Küste entlang und bot einen tollen Ausblick auf das Meer und den „Haleakala“ Vulkan.

Haleakala Sonnenuntergang
Ursprünglich wollten wir den laut unserer Gastgeberin überhypten Sonnenaufgang auf dem „Haleakala“ anschauen. Dafür bräuchte man aber ein Ticket, hatte sie uns gesagt. Die meisten werden bereits 60 Tage im Voraus verkauft, das wussten wir mal wieder nicht. Aber drei Tage vorher, ab 7 Uhr wurden auch immer noch 50 Tickets freigegeben. Drei Tage hintereinander haben wir uns den Wecker auf 6.55 gestellt, um direkt um 7 die Tickets kaufen zu können. Jedes Mal waren sie innerhalb von Sekunden vergriffen. Also haben wir uns für den Sonnenuntergang entschieden.
Nach einem erfolgreichen letzten Kite-Tag sind wir also nachmittags hochgefahren. Nach 17 Uhr bekommt man sowieso keinen Summit Parkplatz mehr, hieß es, und man müsste vom unteren Parkplatz 20 Minuten steil hochlaufen. Immerhin brauchte man außer dem Parkeintritt kein gesondertes Parkplatz-Ticket. Oben angekommen war der nadelohrförmige Parkplatz (Max. 20 Plätze) natürlich voll. Da wir ganz vorne waren, entschieden wir uns am Anfang des Parkplatzes zu warten, bis jemand wegfährt. Die Odyssee von sich vordrängelnden und parkplatzklauenden Touris möchte ich hier nicht näher ausbreiten. Denn ich könnte mich jetzt schon, wenn ich daran denke, total aufregen. Ein bisschen Ordnung muss sein und so etwas gehört sich einfach nicht. Nachdem dann fünf Autos hinter uns einen Parkplatz hatten, wir aber nicht, fuhren wir wieder nach unten. Da der Gipfel wolkenverhangen war, war die Chance auf eine gute Sicht sowieso gegen Null. Als uns dann der Parkwächter auch noch bestätigt hatte, dass die Sicht außerhalb des Nationalparks eigentlich viel schöner sei, sind wir weiter runtergefahren (der „Haleakala Summit“ liegt auf 3000 m über dem Meeresspiegel). Außerhalb des Parks haben wir neben der Straße geparkt und konnten, bis es total angefangen hat zu regnen, einen schönen Sonnenuntergang genießen. Nächstes mal gehen wir dort oben auf jeden Fall ein bisschen Wandern und bleiben danach eventuell für den Sonnenuntergang. Aber extra für Sonnenaufgang oder Untergang, die knapp zwei Stunden da hochzufahren lohnt sich unserer Meinung nach nicht.
Hier auf Maui hatten wir, wie bereits erwähnt, so richtig das Gefühl, den Ohana und Hawaii Spirit erleben zu dürfen. Durch die Routine mit dem täglichen Kitesurfen, unseren neuen Bekannten Karim, Reinhard und Bill, hatten wir das Gefühl, so richtig angekommen zu sein und haben die Woche richtig genossen. Viel zu schnell war es Zeit zu gehen. Mit unserem neuen Kite im Gepäck – dank des lieben und großzügigen Bill – flogen wir für einen letzten Zwischenstopp nach Honolulu.
There is 1 comment
Wow, wenn ihr fertig seid mit eurer Reise, habt ihr ein Buch geschrieben, nicht schlecht 🤩
Bei dem, was ihr alles erlebt!
Ich kann deinen Missmut verstehen und auch spüren, als sich die Leute nicht in die Autoschlange gestellt haben. Ich kenne dich sehr gut!😂