Fünf Tage in Peking

Nachdem wir während unserer Reise-Recherchen von der visumfreien Einreisemöglichkeit in China erfahren hatten, haben wir kurzerhand das Land in unsere Reiseroute integriert und uns über eine Agentur eine maßgeschneiderte fünftägige Tour mit den Highlights von Peking zusammenstellen lassen.

Leider waren die meisten Online-Informationen zum visafreien 144-Stunden Aufenthalt noch aus der Zeit vor Corona und damit etwas veraltet. Laut der Agentur, über die wir die Reise nach Peking gebucht hatten, „sollte“ die Einreise seit Kurzem über diese Ausnahmeregelung wieder möglich sein. Ohne eine Bestätigung von offizieller Stelle waren wir uns deshalb jedoch nicht zu 100% sicher, ob wir wirklich ohne Visum einreisen können. Chinas Visapolitik ist schließlich sehr restriktiv, und selbst wenn am Ende formal alles passt, liegt die Entscheidung immer noch im Ermessensspielraum des Beamten der Einreisebehörde

Auf gut Glück und mit etwas gemischten Gefühlen flogen wir also von Manila in Richtung Peking, um zu sehen, ob wir ins Land kommen würden. Mit einer Stunde Verspätung am Flughafen von Peking angekommen, machten wir uns dort direkt auf die Suche nach dem Schalter für die visafreie Einreise. Nach kurzer Suche wurden wir auch schnell fündig. Blöderweise war von den vier Schaltern jedoch kein einziger besetzt. Bei dem Anblick der leeren Schalter kam uns natürlich kurz der Gedanke, dass die Regelung für die visafreie Einreise weiterhin ausgesetzt sei. Eine Flughafenmitarbeiterin in der Nähe war jedoch so nett, uns einen Grenzbeamten zu rufen. Offenbar waren die Schalter nicht besetzt, da aktuell noch kaum Touristen nach China reisen. Nachdem der Grenzbeamte unsere Tickets für den Weiterflug und unsere Hotelreservierung geprüft hatte, durften wir eine Arrival/Departure-Card ausfüllen. Ein paar weitere Minuten später hatten wir auch schon die Einreiseerlaubnis im Pass und der erste Schritt war geschafft. Mit der Erlaubnis durften wir uns für die nächsten sechs Tage visumsfrei in der Region Peking bewegen, sofern wir noch durch die Einreisekontrolle kommen würden.

Um zur Einreisekontrolle zu kommen, mussten wir vorher noch durch die Prüfung unserer Health Declaration. In Manila hatten wir vor Abflug dafür noch einen Corona-Schnelltest gemacht und ein Onlineformular der chinesischen Behörden ausgefüllt. Mit einem QR-Code bewaffnet, den wir selbst scannen mussten, stellten wir uns also in die Schlange. Damit alles ein bisschen schneller und effizienter ging, standen an den Durchgängen mit den Scannern drei Frauen, die leicht aggressiv und lautstark die wartende Menge anbrüllte. So wird man doch gerne als Tourist begrüßt.

Nachdem wir uns das Lachen über die rüde Behandlung verkneifen mussten und auch diesen Schritt ohne Probleme hinter uns gebracht hatten, ging es weiter in Richtung Einreisekontrolle. Die Schlange für Ausländer war zum Glück nicht sehr lang. Die Grenzbeamten haben sich zwar sehr viel Zeit bei der Prüfung unserer Pässe gelassen, uns aber letztendlich kommentarlos einreisen lassen.

Geschafft – erleichtert fuhren wir mit dem Zug zur Ankunftshalle, um unsere Koffer zu holen. Offenbar waren wir die letzten Passagiere aus unserem Flieger am Gepäckband. Die ganze Einreiseprozedur hatte doch etwas länger gedauert als erwartet. Unsere Koffer drehten hier vermutlich schon seit mindestens einer Stunde einsam ihre Runden. Weiter ging es durch den Zoll in Richtung Ankunftshalle. Dort wartete bereits seit zwei Stunden unser Guide Ina, welche uns zu unserer Überraschung in sehr gutem Deutsch begrüßte. Erleichtert über die problemlose Einreise und voller Vorfreude auf die kommenden Tage machten wir drei uns also direkt auf den Weg zu unserem Fahrer Mr. Chan, der bereits mit dem Auto in der Abholzone des Flughafens auf uns wartete.

Für den Ankunftstag hatten wir in weiser Voraussicht kein großes Programm, sondern nur noch die Besichtigung des Himmelstempels eingeplant. Wegen unserer Verspätung fuhren wir deshalb ohne Mittagessen gleich direkt zum Tempel. Die Besichtigung des Tempels lieferte uns bereits einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Um in die Anlage zu kommen, mussten wir mehrfach unsere Pässe kontrollieren lassen. Ina war bestens vorbereitet und überflutete uns in perfektem Deutsch mit historischen Details der beeindruckenden Tempelanlage.

Zum Abschluss des Tages ging es noch in ein traditionelles chinesisches Restaurant. Ina bestellte für uns eine Auswahl an unterschiedlichen chinesischem Gerichten. Zu unserem Glück sind ihr die europäischem Vorlieben bekannt und wir hatten weder Schweinefüße, noch Fischköpfe auf dem Teller. Alle Gerichte schmeckten sehr lecker. Gut gesättigt und ziemlich erledigt von der Anreise machten wir uns auf den Weg ins Hotel.

Im Hotel angekommen, freuten wir uns dann auch aufs Bett, nachdem wir in Manila bereits um 3:50 Uhr geweckt wurden. Wir wussten zwar, dass unser über 200 Jahre altes Hotel im traditionellen chinesischen Stil gestaltet wurde, jedoch waren wir dann doch überrascht, wie „authentisch“ alles ist. Entlang einer kunterbunten Mischung aus altem Stein und schrottig buntem Kitsch führte der Weg zu unserem Zimmer uns durch ein Labyrinth an Innenhöfen und Treppen.

Tag 2 – Die verbotene Stadt

Unser zweiter Tag in Peking ging direkt mit einem unserer Highlights los. Wir fuhren mit Mr. Chan und Ina zum Tiananmen Platz und machten uns von dort zu Fuß auf in Richtung verbotene Stadt. Bereits auf dem Weg zum Platz wurden wir mehrfach um Fotos und Selfies gebeten. Ina erklärte uns, dass viele chinesische Touristen aus den ländlichen Regionen noch nie Europäer gesehen hätten. Da wir auch weit und breit die einzigen europäischen Touristen waren, ahnten wir schon, was uns erwarten würde. Von heimlichen Selfies mit uns im Hintergrund bis zu Gruppenfotos würden wir an diesem Tag noch sehr viele Fotos machen …

Über den gigantischen Tiananmen-Platz ging es also bis zum Eingang der verbotenen Stadt. Dafür, dass aktuell immer noch bis zu 40000 Tickets pro Tag verkauft werden (vor Corona waren es 80000) war die Schlange am Eingang doch sehr kurz. Nachdem wir ca. zehn Minuten anstehen und mit der wartenden Menge einige Selfies machen mussten, konnten wir schon die berühmte Palastanlage im Zentrum Pekings betreten. Während uns Ina die historischen Details der Anlage erläuterte, staunten wir über die prachtvolle chinesische Architektur. Entlang der zahlreichen Vorplätze gingen wir bis zum Zentrum der „Halle der höchsten Harmonie“. Von dort aus schlenderten wir durch die zahlreichen kleinen Innenhöfe im hinteren Teil des Palastes bis zum kaiserlichen Garten in der Nähe des nördlichen Ausganges, wo wir ca. zwei Stunden später die verbotene Stadt wieder verließen.

Im Norden der verbotenen Stadt befindet sich noch eine kleine Parkanlage welche „Kohleberg“ genannt wird und ursprünglich zur verbotenen Stadt gehörte. Nach einem kurzen Fußmarsch hatte man von dort noch einen wunderbaren Überblick über den kompletten Kaiserpalast und den Rest des Zentrums von Peking.

Zum Abschluss gingen wir durch eines der traditionellen Hutongs. Hutongs sind die traditionellen Jahrhunderte alten Wohnviertel Pekings. Nach einem kurzen Besuch bei einer lokalen Familie war das Programm für den Tag zu Ende und wir schlenderten durch eine Einkaufsstraße zurück in Richtung Hotel.

Tag 3 – Die chinesische Mauer

Morgens um acht Uhr wurden wir wie gewohnt von unserem Fahrer Mr. Chan und unserem neuen Guide „Fan“ abgeholt. Fan sprach natürlich wie Ina auch fließend Deutsch. Die Fahrt zu einem der schönsten Mauerabschnitte in Jinshanling dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden und führte uns aus Peking hinaus durch ländliche Regionen direkt bis zum Fuße der Mauer. Am komplett verlassenen Besucherzentrum in Zhuanduokuo bestätigte sich unsere Hoffnung, dass hier aktuell einfach überhaupt nichts los ist. Um zur Mauer zu kommen fuhren wir von dort ca. fünf Minuten mit einem kleinen Shuttle und mussten anschließend etwa 20 Minuten auf einem Weg bergauf in Richtung des ersten Wachturms gehen.

Bereits der Ausblick vom ersten Wachturm war einfach spektakulär. Die Ausmaße dieses gigantischen Bauwerks kann man sich einfach kaum vorstellen. So weit das Auge reichte, schlängelte sich die große Mauer schier endlos über den Grat der grün bewachsenen Bergketten bis hin zum Horizont. Die Vorfreude auf die kommenden drei Stunden war sehr groß.

Am Anfang unseres sechs Kilometer langen Weges auf der Mauer sind uns mehrere Schulklassen begegnet. Die kleinen Schüler hatten eine riesige Freude daran, uns zu begrüßen und uns Langnasen zu beobachten. Zu unserem Glück gingen die Schulklassen aber nur entlang des ersten kurzen Abschnitts. Ab dem zweiten Kilometer waren wir drei dann so gut wie alleine auf der Mauer unterwegs.

Die nächsten Kilometer liefen wir auf der Mauer entlang mit Blick auf das atemberaubende Bergpanorama. Die einzelnen Mauerabschnitte sind so unterschiedlich, dass man aus dem Staunen (und fotografieren) nicht mehr herauskommt.

Irgendwo im mittleren Bereich der Mauer trafen wir auf einen laut Fan berühmten chinesischen Fotografen, der von einem Journalisten, von China News begleitet wurde. Der Fotograf und der Journalist waren zusammen mit drei Parteifunktionären, welche wir jedoch nicht direkt als solche erkannten, unterwegs. Nachdem wir auf deren Bitte gefühlt ein paar Hundert professionelle Fotos gemacht hatten, (wir sind mal gespannt, wo die überall auftauchen werden), wollten wir zum Abschied noch ein gemeinsames Foto machen. Also drückte Katha spontan einfach dem am grimmigsten dreinschauenden der drei Parteifunktionäre ihr Handy in die Hand. An der Reaktion der restlichen Gruppe und des designierten Fotografen war schon zu bemerken, dass man vielleicht nicht den ranghöchsten Politiker in der Gruppe zum Fotografieren abstellen sollte. Nach einem etwas verdutzen Blick bekamen wir aber unserer Gruppenfoto und machten uns, amüsiert über den Faupax, schnell weiter auf den Weg entlang der Mauer.

Nach insgesamt ca. drei Stunden kamen wir am letzten Wachturm, dem „westlichen fünf Augen Turm“ an. Zum Glück wartete dort bereits eine sehr herzliche Frau aus einem lokalen Dorf auf uns, die seit mehr als 16 Jahren jeden Tag Wurst und kaltes Bier nach oben auf die Mauer trägt. Da seit Corona kaum noch ausländische Touristen auf die Mauer kommen, freute sie sich natürlich umso so mehr über unseren Bierdurst. Während wir also unsere Wurst und unser eisgekühltes Bier verzehrten, setzte sich die Frau zu uns und erzählte uns einen Schwank nach dem anderen aus ihrem Leben. Mit Fan als Übersetzerin war es spannend zuzuhören und einen persönlichen Einblick in eine uns so fremde Lebensweise zu bekommen.

Wir hätten vermutlich noch endlos weiter entlang der 21196 Kilometer langen Mauer wandern können, stiegen am fünf Augen Turm jedoch wieder ab. Im Tal wartet bereits unser Fahrer Mr. Chan auf uns, um uns wieder zurück nach Peking zu fahren.

Nachtrag: Die Bilder von der großen Mauer wurden noch am selben Tag auf chinanews.com veröffentlicht https://m.chinanews.com/wap/detail/chs/pic/160340.shtml

Tag 4 – Der Rest von Peking

An unseren letzten Tag vor unserer Abreise haben wir es noch mal etwas ruhiger angehen lassen. Wie gewohnt holten uns Ina und Mr. Chan an unserem Hotel ab und wir fuhren zusammen ins nordwestliche Peking zum Sommerpalast. Der Palast liegt an einem künstlich angelegten Seeufer auf einer drei Quadratkilometer großen Parkanlage und beeindruckt vor allem durch seine aufwendig gestalteten Gärten und die prachtvolle Architektur. Gemütlich schlenderten wir hier bei sonnigen 25 Grad durch die Gärten, während Ina uns mit historischen Details der Anlage überflutete.

Nachdem wir die prachtvolle Anlage mit einer kurzen Bootsfahrt über den See wieder verlassen hatten, machten wir uns anschließend auf den Weg zu einem bekannten chinesischen Dumpling Restaurant für eine kleine Stärkung.

Die zweite und letzte Sehenswürdigkeit an diesem Tag war der Lamatempel. Der Tempel ist ein ehemaliger Kaiserpalast, welcher zum größten buddhistischen Tempel außerhalb Nepals umgebaut wurde. Das Highlight des Tempels, in dem täglich millionenfach Räucherstäbchen abgebrannt werden, ist eine 18m hohe Buddhastatue welche aus einem einzigen Sandelholzbaum geschnitzt wurde.

Zum gebührenden Abschluss unseres Aufenthaltes ging es noch in ein schickes Pekinger Restaurant (Hua‘s) um Pekingente und einige andere chinesische Spezialitäten zu probieren. Bereits beim Eintritt fielen uns an der Wand die Fotos einiger bekannter Persönlichkeiten auf. Die Vorfreude war natürlich groß. Wo sonst Joachim Gauck speißt, kann die Ente ja nur lecker schmecken. So war es dann auch. Unter Anleitung von Ina aßen wir die vom Koch fein säuberlich in Scheibchen zerlegte Pekingente.

Tag 5 – Abreise

Am Abreisetag war kein Programm mehr vorgesehen. Nach dem Frühstück ging es für Benni noch kurz zum chinesischen Friseur und anschließend direkt mit Mr. Chan zum Flughafen. Nun stand uns die bisher längste Weiterreise bevor. Es ging von Asien bis nach Afrika.

Benni

There is 1 comment

  1. 🤩💫Langnasen Stars ⭐️ in China 🇨🇳
    @benny schicke Frisur 🙌🏼
    Wie lange hat es gedauert bis die Mauer gebaut war?
    Grüße aus dem Elsass 🇫🇷

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